27. Juli 2010
text

Ich bin gegen alle Pläne heute in Riga eingefahren, mit dem Zug. Nicht weitersagen, dass ich manchmal pfusche. Von der Grenze an gibt es nur die A1, eine zweispurige Schnellstraße, fast schnurgerade mit autobahnähnlichem Verkehr. Nicht so dolle. Eigentlich wollte ich noch einmal am Meer campen; doch ca 65 km vor Riga führte die Straße unter einer Eisenbahnbrücke durch. Wo eine solche Brücke ist, ist der nächste Bahnhof nicht weit, dachte ich mir und legte das letzte Stück für 5 € mit gekaufter Energie zurück Das Ein- und Aussteigen war nicht ganz einfach: fünf hohe Stufe mit Eiger-Nordwand-Gefälle. Ohne Gepäck war es machbar.

Habe hier bald das angezielte Hostel gefunden, wieder mitten in einer Altstadt; unter dem Fenster tobt das Leben. Erste Auskunft: heute ist kein Bett mehr frei, morgen und übermorgen ja. Unbürokratischer Vorschlag der Dame an der Rezeption, ich solle auf einem der Sofas schlafen, die in ihrem Büro stehen. Sie schläft auf dem anderen.

Die Dame ist Russin (auch hier wird noch viel russisch gesprochen: auf dem erwähnten Bahnhof hatte ich eine Stunde zu warten. Die ganze Zeit unterhielt sich einer mit mir, der seine Frau abholen wollte. Auf russisch. Ich beginne wirklich, Brocken zu verstehen. Ihn war es offensichtlich egal, ob ich mitbekomme, was er erzählt. Er hat eine Datsche mit Schüsseln auf dem Dach und kann in 43 Sprachen Fernsehen gucken. Mist, wenn einer nur russisch kann).

Den Russen ist das Bürokratische doch nicht angeboren. Wie sonst die Sofalösung?

Das Foto zeigt die Jugendherberge. Ich nächtige zunächst hinter einem der Erkerfenster, in den folgenden Nächten im kleinen Schlafsaal rechts daneben.

text

text

text

In Riga ist es gut zu flanieren, wenn man den zentralen Platz hinter sich lässt. Natürlich ist die Altstadt museal und ein wenig künstlich: Mittelalter bis Jugendstil. Die Vermarktung des öffentlichen Raums hält sich (noch!) in Grenzen.

text   text   text   text   text   text   text   text   text   text   text   text


text

... nichts für Stöckelschuhe.

text

text

text

Besatzung und Okkupation Man muss sich in den baltischen Ländern darauf einstellen, dass Besatzung nicht die deutsche meint, der eine Befreiung folgte (occupation et libération), vielmehr die sowjetische bis 1990. Freiheit und nationale Unabhängigkeit gibt es seit dem Ende der Sowjetunion. Der stalinistische Terror zwischen 1940 und 1941 sowie nach 1944 wiegen schwer (mit dem Verlust der der nationalen Selbständigkeit, bolschevistischer Diktatur, Zwangsumsiedlungen) bestimmt das Denken und Fühlen. Drei Exponate aus dem Okkupationsmuseum: Ein Propagandabuch der deutschen Besatzer: Das Jahr des Grauens ist das Jahr der sowjetisch-stalinistischer Besatzung. Der deutsche Besucher erinnert sich freilich an die Fotos aus der von der deutschen Wehrmacht verwüsteten Sovietunion. Mein Fazit: die kleinen Völker des Baltikums waren Operder beiden totalitären Mächten des 20. Jahrhunderts.
Rechts der Text des Ribbentrop-Molotow-Paktes. Hitler-Deutschland verkaufte Esten, Letten und Litauer an die Sowjetunion. Zynismus auf beiden Seiten. Plakat in lettischer Straße scheint mir ein antisemitisches und antisowjetisches Plakat der deutschen Besatzer zun sein. Der Jude und Bolschewist als Bedrohung.

text

text

text-text-text-text-text-text-text-text

text

text   text

text-text-text-text-text-text-text-text

text

text

text-text-text-text-text-text-text-text

zurück zur vorhergegangenen Etappe
weiter zur nächsten Etappe
zurück zum Überblick über alle Etappen
Für Anmerkungen, Kritik, Vorschläge, Beschimpfungen (alles wird akzeptiert): Kontakt
home