| 07. August 2010 | |
![]() ![]() ![]() |
text-text-text-text-text-text-text-text |
| Das Schild war eine Überraschung. Es hat mich stark berührt. Später, am Abend habe ich versucht, die Emotion in Worte zu fassen. Enstanden ist dieser Text: | |
![]() ![]() |
Wilkischken
Bescheidene Landstraße Zieht ihre Bahn Hügelland Preußisch- wie ich bei dir lese Johannes oder Klein- Litauen Memelland In Dörfern und Städten Benennen Schilder Die Straßen Erinnern an Männer Frauen manchmal Orte Ereignisse den Menschen dort von Bedeutung. Häuser, in denen sie wohnen Kirchen Denkmäler (In den Straßen) Verwaltungen Geschäftiges Leben Gewerbe. Hilfreiche Schilder In der Stadt Dem der sucht. Hier Felder und Weiden Und Bäume. Dann Unerwartet: DAS SCHILD. Die Landstraße Asphaltband Hält nicht an Zieht weiter Trägt Mit neuer Würde einen Namen Wie ihre Städtischen Schwestern Deinen Namen: J.BOBROVSKIO g(atve) Trägt Deinen Namen Wo Straßen noch längst keinen Namen tragen, Zwischen den Feldern Hinüber ins Dorf In Dein Dorf Vilkyškiai Wilkischken Die Namen der Dörfer Sind Poesie In zwei Sprachen Und Der Atem Deiner Gedichte Johannes Bobrowski Verbindet Zeit und Zeit Ort und Ort Sprache und Sprache Und Die sie lesen Hier und dort |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
text-text-text-text-text-text-text-text |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
Blau.
Die Lüfte. Der hohe Baum, den der Reiher umfliegt. Und das Haus, einst, wo nun der Wald herabkommt, klein und weiß das Haus und der grüne Schimmer, ein Weidenblatt. Wind. Er hat mich geführt. Vor der Schwelle lag ich. Er hat mich bedeckt. Wohin sollt ich ihm folgen? Ich hab Flügel nicht. Meine Mütze abends warf ich den Vögeln zu. Dämmrung. Die Fledermäuse fahren ums Haupt mir. Das Ruder zerbrochen, so werd ich nicht sinken, ich gehe über den Strom. Es kommt Babel, Isaak, er sagt: bei dem Pogrom, als ich Kind war, meiner Taube riß man den Kopf ab Häuser in hölzerner Straße, mit Zäunen, darüber Holunder. Weiß gescheuert die Schwelle, die kleine Treppe hinab - Damals, weißt du, die Blutspur. Leute, ihr redet: Vergessen - es kommen die jungen Menschen, ihr Lachen wie Büsche Holunders. Leute, es möchte der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit. …Was ist das für ein Dorf. Das Dorf, ja was ist das schon. Die sieben Gehöfte über der Steigung des Ufers, wie auf einem Wall. Der ausgefahrene Sandweg kommt an den Steckenzäunen entlang und macht einen kleinen Bogen auf die Fähre zu. …Was ist das schon, die sieben oder acht Gehöfte auf dem Uferwall. Von wo man über den Strom sieht, kilometerweit, bis dorthin, wo der Himmel herabreicht auf die Ebene… text-text-text-text-text-text-text-text |
![]() ![]() ![]() |
text-text-text-text-text-text-text-text |
![]() ![]() |
text-text-text-text-text-text-text-text |
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
text-text-text-text-text-text-text-text |
![]() ![]() |
text-text-text-text-text-text-text-text |
![]() ![]() ![]() |
text-text-text-text-text-text-text-text |
|
Kurzbericht über einen Tag der kleinen Wunder. Fahrt von Pagegiai nach Jurbarkas (oder von Pogegen nach Georgenburg). Früher Start. * Bald ein Denkmal mit einem etwas holperigen Text auf deutsch (und litauisch): "Gelobt sei heilige Vergangenheit - dir aufgeopferts Leben". und ein anderer: "Zum Gedenken an die in den Jahren 1945-1947 umgebrachten und verhungerten Ostpreußen. Deutscher Verein Edelweiss" (auch auf deutsch und litauisch). Ich habe gegoogelt. Es gibt in Kaunas einen Verein "Edelweiss - Wolfskinder". Da sind Menschen, die es in den Endkriegswirren als Waisen nach Litauen verschlagen hat, die Litauer wurden, lange diskriminiert, zum Teil Analphabeten. * Dann: an der Landstraße ein Straßenschild "J.Bobrowskio g". J. Bobrowski-Straße?. Ein km weiter das zugehörige Ortsschild: Vilkiskai. In der Kirche zufällig eine kleine Führung für eine Reisegruppe aus Kiel. Und eine Ausstellung mit Texten von Johannes Bobrowski und begleitenden Fotos. Bobrowski hatte hier als Soldat seine litauische Frau kennen gelernt und in der Kirche geheiratet. Gegenüber der Kirche wieder ein kleines Denkmal, wieder mit Text in zwei Sprachen (wieder etwas holperig) "Zum Gedenken an alle Toten der Kriege der Vertreibung und in der Ferne, Kirchengemeinde Willkischken" * Dann: Mittagspause mitten im Wald mit einem Paar aus Australien, das drei Monate lang durch Europa radelt: Madrid, Rom, Kopenhagen, Stockholm, Alandinseln und im Augenblick von Helsinki nach Süden. Die hatten mich vorher überholt, als ich am Straßenrand Lupinensamen für die Eifel einsammelte. * Dann: Ein Ort mit einem wunderschönen Park, durch das ein Fluss mit braunem Moor-Wasser floss. Ein künstlicher Wasserfall zum Erfrischen. Mit einem Radler aus Berlin nahm ich ein Bad. * Und am Ende: Hier in Jubarka ein B&B an der Memel. Ein zweites Bad für mich im Fluss. Noch einmal dieses Gefühl, das ich in St. Petersbrug schon einmal hatte: Hätte mir einer vor 25 Jahren gesagt, dass ich eines Tages im Memel-Fluss (Nemunas) schwimmen würde:Es wäre ein guter Witz gewesen und wir hätten laut gelacht. Heute fahre ich weiter in Richtung Kaunas. Herzliche Reisegrüße Otto | |
|
zurück zur vorhergegangenen Etappe weiter zur nächsten Etappe zurück zum Überblick über alle Etappen Für Anmerkungen, Kritik, Vorschläge, Beschimpfungen (alles wird akzeptiert): Kontakt home |
|