18. August 2010
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Svetka Lipka text-text-text-text-text-text-text-text

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Es gibt keine schwarzen Tage, höchstens graue mit hellen Flecken. So einer war heute.

Gestern hatte ich wohl keine falsche Entscheidung getroffen, in Gijycko zu bleiben. Ich machte eine kleine Tour um dem See, speiste danach gut im Strandrestaurant, hörte gespannt und fasziniert zwei Deutschen am Nebentisch zu, von denen einer in Literatur zu leben und zu schwelgen schien. Als sie gingen, habe ich gestanden, dass ich gelauscht hatte. Dann legte ich mich getrost in mein Zelt auf dem Campingplatz. Der Regen in der Nacht störte mich nicht: eine angenehme Musik im kleinen Zelt und nicht zum ersten Mal. Diesmal war der Rhythmus anders: es regnete noch morgens.

Es gab noch eine Begegnung: ein Paar mit drei Kindern zwischen zwei und vielleicht sechs Jahren und Hund auf einer Reise per Fahrrad. Am Morgen sprach ich die Frau an, fragte, wie sie das organisieren. Ganz einfach: ein Fahrrad mit Anhänger für den kleinsten, eines mit Anhänger für die Älteste zum mitradeln und ein Kindersitz für den Mittleren. Der Hund trottet hinter drein. Alle gut gelaunt und fröhlich: Eltern, Kinder, Hund. Heute morgen standen sie im Regen, die Kinder kleine Ritter in Plastikrüstungen, wegen des Regens, der nicht nachließ. Wie weit mögen die Leute gekommen sein?

Mich hat der Regen den Tag über auch verfolgt. Regenschutz an und aus und wieder an...

An einem Ort mit den schönen Namen Heilige Linde (Sweta Lipka) viel Betrieb. Regen hin, Regen her: eine respektable Kirche lasse ich nicht am Wege stehen. Als ich das Fahrrad sichern wollte, stellte ich fest, dass bei einem der mehrfachen Kostümwechsel die Fahrradschlüssel abhanden gekommen waren. Ich hatte ein Ersatzpaar; das wurde aktiviert.

In der Kirche Barock, Rahmen für eine alte Madonna, massiv, viele Menschen und Orgelmusik, laut und mächtig. Was gespielt wurde, schien mir bekannt; identifizieren konnte ich es nicht, bis im Potpourri der Gladiatorenmarsch aus Carmen erklang. Verwunderlich erst: Die Zuhörerschaft saß nicht, wie es sich gehört in den Bänken und schaute nach nach vorne zum heiligen Bild, stand vielmehr mit dem Rücken zu ihm und schaute nach oben. Erklärung des wunderlichen Verhaltens: die Orgel weit mehr als ein Klangwunder. Gesamtkunstwerk. Da drehten sich Kugeln (Planeten?), da bewegten sich Engel mit Flöten und Trompeten und taten als ob sie es seien, die die Klänge produzierten. Teilversöhnung mit der barocken Pracht; die reduzierte Fassung in Vilnius ziehe ich dennoch immer noch vor. Sveta Lipka etwas zwischen Czenstochau und Altötting: Nicht mein Ding.

Weil es mir keine Ruhe ließ, 10 km zurück, um zu sehen, ob ich die Schlüssel am Wegesrand fände. Ergebnislos natürlich, was die Schlüssel angeht, folgenreich, weil mein Tagesziel endgültig unerreichbar wurde. Nass in Reszel (Rössel), im einzigen Hotel in der Ordensburg (mächtig) nichts frei. Am Ende des Tages ein Zimmer im Bauernhaus am Wege. So komme ich erst morgen nach Olsztyn. Wäre ich gestern weiter gefahren, hätte ich heute nur den halben Weg gehabt und wäre bequem hin gekommen

Wenn ich das zweite Schlüsselpaar auch noch verliere, gibt es zwei Möglichkeiten: Das Rad stehen lassen und zu Fuß weitergehen (wenn es abgeschlossen ist) oder es abends mit ins/ans Bett nehmen, wenn nicht. Schöne Aussichten..

Vor dem Barockerlebnis: in Ketrzyn/Rastenburg schon eine dieser Ordensburgen . Da war eine Busladung älterer deutscher Touristen; die schauten sich das alte Gemäuer an, fragten mich(!), ob sie in der Burg seien. Sie wirkten eher mürrisch. Danach mussten sie noch in Hitlers Wolfschance, aus der die Polen eine etwas abwegige Touristenattraktion gemacht haben. Ich hatte das von vornherein nicht im Programm, muss das Gruseln nicht mehr lernen.

Am Ende des Tages, legte sich der Regen aber der Wind blies ins Gesicht. Und glaube niemand, eine Gegend ohne hohe Berge habe keine Steigungen. Das hat die Eiszeit ganz anders angelegt: Die Welt ist ein stetes Auf und Ab. Nach dem überschreiten der historischen Grenze diesmal also Ermländische Grüße, vom Urlaub auf dem Bauernhof

Otto  Nach dem überschreiten der historischen Grenze diesmal also Ermländische Grüße, vom Urlaub auf dem Bauernhof  Otto Otto text-text-text-text-text-text-text-text


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