| 23. August 2010 | |
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23-08-2010
Neues zur Philosophie der buckeligen Welt und des immer währenden auf und ab in ihr: Gestern noch auf einem proletarischen Campingplatz an der Ostsee zwischen Danzig und Zopot, wo das Klopapier extra im Laden gekauft werden musste, weil die Toiletten mit dem Unerlässlichen nicht ausgestattet waren. (Als es wirklich seinem Zweck dienen sollte, war es im großen Regen aufgeweicht und nur in Zentimeter dicken Lagen zu gebrauchen). Dann über die Strandpromenade von Zopot und durch Gdynia weiter nach Nordwesten und Herberge heute im Schloss der Grafen von Krockow, fürstlich, gräflich. Die Gegend ist die Kaschubei (westlich von Danzig) und die Menschen, die hier in den Dörfern lebten (leben) sind die Kaschuben. Der Graf, den es nach dem 2.Weltkrieg an die Mosel verschlagen hatte (er war Ehrenbürger in einem Dorf an der Mosel) hat das Schloss der Vorfahren wieder herstellen lassen, als es die Kolchose nicht mehr beherbergen musste. Jetzt ist es Hotel und europäische Begegnungsstätte mit einem Gästehaus. Ich erlebe gediegen feudales Flair und habe edel fürstlich zu Abend gespeist: Wildschweinpiroggen und Rotkohlsalat. Der Ort heißt nach wie vor Krokowa. Er war mir unterwegs empfohlen worden. Gut,dass ich der Empfehlung gefolgt bin. | |
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| Das war nun wirklich ein kleines Abenteuer. Ich habe mein kleines Zelt
an der Stadtgrenze zwischen Zopot und Danzig auf einem Campingplatz
aufgebaut. Dann zurück nach Danzig zur 'Eroberung' der Altstadt. Sie hat mich nicht sonderlich fasziniert: Walt Disney-Kulisse für touristische Massen. Vermarktung der Stadt total. Zu allem Überfluss: deutsche Kulturtage mit (als ich dort war) einer Polizeikapelle aus...(?). "Wem Gott will rechte Gunst erweisen" etc. Entschädigt hat die Marienkirche, der Raum und viele Details.
Als ich mich danach auf mein Fahrrad setzte, drohte ein Gewitter. Es drohte nicht nur, es kam überfallartig. Aber am Weg ein Hinweis nach rechts: Plac Solidarnosc. Wo ich schon keine Kirche links liegen lasse, wollte ich den nicht rechts liegen lassen und stand auf dem Platz, am Eingang zur Werft. Und dann kam es über mich: Blitz, Donner und Wolkenbruch. Eine Stunde habe ich schlecht bedacht ausgeharrt und bin dann in den Regen hinein losgefahren, habe die richtige Abzweigung nach rechts verpasst, was den Weg nicht kürzer gemacht hat. Aber nun sitze ich im Restaurant, habe gut gegessen und schreibe. Was mir beim Warten am Eingang zur 'Danziger Werft' (hieß die damals nicht 'Lenin-Werft'?) durch den Kopf ging: 1980 Jaruzelski, Ausnahmezustand... Es kritisch aufzugreifen, so weit war ich, anders als zum Beispiel Helge Malchow damals noch nicht. Berufsverbote und die eigene Diskriminierungserfahrung in der Schule, in der Gewerkschaft...). Erklärungen werden zu Entschuldigungen und sind deshalb besser zu unterlassen. Nun stand ich also vor dem Tor der Werft, der Himmel zürnte heftig, eine späte Strafe oder besser ein strafender Fingerzeig für das ausgesetzte des Denkens damals. Auch wenn ich eigentlich nicht abergläubig bin. Honni soit qui mal y pense; auf deutsch: Ein Schelm, wer jetzt lacht. Otto | |
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