30. August 2010
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Seit vorgestern bin ich im sicheren Kölner Hafen angekommen, freudig begrüßt und umsorgt, nach einer schönen Zwischenlandung in Berlin für einen Tag. Die letzten Satteltage waren stürmisch und nass mit kurzen Aufheiterungen (meteorologisch; ich blieb heiter unterm Gummizeug). Es begann in Leba: Camping, freundlicher Sonnenuntergang... und dann brachen alle Wolken, ließen die nächsten Tage nur manchmal himmlisches Blau sehen. Über der großen Wanderdüne von Leba brauste der Sturm. Ich sah die Düne wandern.

Während der verbleibenden Reisetage richtete sich der Blick (nicht ausschließlich!) auf Gräber und Denkmäler. Thema: Umgang mit Vergangenem. Noch auf dem Weg nach Leba war mir ein kleiner Friedhof aufgefallen, eine kleine Wüstenei mit Zeichen neuen Lebens. Grabsteine ohne Namen, Gräber mit bescheidenen Namenschildern, ein Kriegerdenkmal aus den zwanziger Jahren des kriegerischen Jahrhunderts. Die Namen erhalten und darunter eine zweisprachige Tafel: "Zum Gedenken an alle Gefallenen und Vermissten aus Wierschutzin (Wierzchucin) und Umgebung. Ruhet in Frieden". Ein neuer Grabstein für für Hermann (Königlicher Oberamtmann) und Auguste Gums, beide 1928 gestorben und dazu für Erika Peterson (1918 -1987). Einige andere Gräber, denen man Pflege ansah, vier ganz neue (ohne Bilder) und ein wenig versteckt der Hinweis, dass es sich um den evangelischen Friedhof handelt. Eine geballte Ladung pommerscher Geschichte im letzten Jahrhundert. Und viele Fragen den Umgang mit dieser Geschichte betreffend, persönlich, intim und öffentlich. Die Neugier war geweckt.

Preußisch-deutsche Kriegerdenkmäler: Die Namen verwittert, verschwunden auf dem einen. Geblieben die unvollständige erste Zeile des Rütlischwurs: "Wir wollen sein ein einig Volk". Die Namen abgeschliffen oder verwittert, sichtbar gerade noch das Eiserne Kreuz, auf dem anderen.

Deutsche und polnische Geschichte vereint auf diesem:

Unter dem polnischen Adler steht: "Gott und Heimat/Vaterland" (aber was war zwischen dem 08.Mai 1945 und dem 03. August 1947?). Die dritte Tafel erinnert an die Ankunft der neuen, polnischen Bevölkerung in Iwiecin 1945. An der Außenmauer der Kirche von Darlowo (Rügenwalde) Gedenktafeln und Grabmäler, auch ein jüdischer. Die Texte: "

"An dieser Stelle befand sich (bis 1945?) vor vielen vielen Jahren ein Friedhof. Die namenlosen Toten ruhen in Frieden. Heute stehen hier Grabdenkmäler von den ehemaligen Friedhöfen in Rügenwalde, Zizow, Barkwitz, Borkow, Damshagen, Pirbstow... Die Zeit hat Zeichen der Zerstörung und des Vergessens hinterlassen. Aber stärker als Grabesstille ist das Gedenken, das in den Herzen lebt. Es kann nicht zum Schweigen gebracht werden. Wir schicken unsere Gebete zu Gott für alle Verstorbenen dieser Erde, deren Erbe eine neue Generation pommerscher Menschen übernommen hat." "

"Im Gedenken aller verstorbenen Rügenwalder Bürger."

Viele Dorfkirchen umgibt ein kleiner Park. Nach dem Krieg sind die Friedhöfe eingeebnet worden, vielleicht die würdigste Art, ihre Ruhe zu achten, als die Angehörigen hatten gehen müssen und niemand mehr für die Gräber sorgen konnte. Manchmal erinnert ein einzelner, verlorener Stein an die alte Bedeutung des Ortes.

Ich bin froh, dass ich Pommern noch erradeln konnte. Am Ende der Reise die Odermündung in Swinemünde: Blick vom westlichen zum östlichen Ufer. Dann die Grenze: Stadtgrenze, Grenze zwischen zwei europäischen Staaten, lange Zeit die "Oder-Neiße-Grenze". Auf der polnischen Seite warten Pferdedroschken auf die Besucher aus Heiligendamm und Ahlbeck. Nur den Droschken ist der Grenzübertritt versagt.

Ich verabschiede mich und hoffe, dass meine Reisebilder dem/der einen oder anderen gefallen haben und niemand lästig gewesen sind. Als ich die estnische Grenze in Iwangorod/Narva überschritt, war eines der ersten Dinge, die mir auffielen, dass zu Hochzeiten solch bescheidene Droschken gehörten.

In den baltischen Ländern war Sommer, die Nächte waren lang und viele junge Paare ließen sich trauen. Hochzeiten begegneten mir überall. An Ende der Reise (hier in Kolberg) stand ich zum letzten Mal neben einer dieser Hochzeitskarossen. Ich möchte, dass es all den Neuverheirateten gut geht und wünsche gleiches allen, die ab und zu in meine Berichte geschaut haben. Otto






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