| 14. August 2013: von Wołow nach Antonin | |
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In Drołtowice (Rudelsdorf) stand ich vor dieser Fachwerkirche. So was kann ich nicht links oder echts liegen lassen. |
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Polens Dynamik ist beeindruckend. Das Straßennetz hat in einen sehr hohen Standard. Die Fernstraßen sind gut ausgebaut. Wo wirklich der große Verkehr lang donnert, gibt es oft sogar breite Fahrradstreifen. Dort sind sogar die Großtransporter zwar nicht angenehm, aber auch nicht bedrohlich für den schächeren Verkehrsteilnehmer. Das Schienennetz ist hingegen eine kleine Katastrophe. Da bleibt viel zu tun. Die Ankündigung des Bahnübergangs spiegelt die Realität. Auch wenn Diesel- oder sogar Elektrolks die Züge bewegen, erinnert der Schienenunterbau an Zustände, wie sie auf westdeutschen Strecken gleich nach dem Krieg möglich waren. Das warnende Verkehrsschild istrealistisch: Die 'Hubbel' sind nicht für Autofahrer eine Gefährdung (von Fahrradfahrern ganz zu schweigen). Die Züge selbst haben Schwierigkeiten, wirklich mal Fahrt zu gewinnen. Außerdem haben die Polen die wohl überflüssigsten Verkehrsschilder der Welt. Lange dachte ich, koniez hieße 'Kurve' und wunderte mich, dass das Schild immer da stand, wo gerade ein paar bescheidene Kurven hinter einem lagen. Die Erklärung: 'koniez' heißt nicht 'Kurve', sondern 'Ende'. Eigentlich kann der aufmerksame Verkehrsteilnehmer da sehen. Man kann es ihm uach noch mal sagen. Dafür das Schild. |
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Das Fahrrad steht an oder auf der Grenze zwischen Niederschlesien und der Wojewodschaft Wielkopolskie (Grußpolen). Die Gegend: flach gewellte, beruhigendende Landschaft. |
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Wie kann einer ahnen, warum der Ort Antonin heißt? Wielkopolksie war zum großen Teil einmal identisch mit der preußischen Provinz Posen. Anton Radziwill, spross einer Familie des polnischen Ur- und Hochadels, war Preußisch-polnischer Politiker und träumte von einem unabhängigen polnischen Königreich im Schutz Preußens. Daraus ist nichts geworden. An einem großen See ließ er sich von Friedrich Schinkel ein ziemlich originelles Jagdschloss bauen; Zentralbau ganz aus Holz oder mit Holzverkleidung. Anton Radzivill, selbst Musiker hatte zwei Töchter. Ein berühmter Gast der Familie übte mit ihnen am häuslichen Klavier. |
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Ich übernachtete (und speiste) im Pesnionat am schönen See. |
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Die kleine Kirche von Antonin ist so auch in Berlin vorstellbar. Am nächsten Morgen, als ich los fuhr, standen Leute vor der Kirche, in der Kirche ein Gottesdienst. Ich stellte mir vor, dass es ein Hochzeit wäre. Unterwegs gingen sie in allen Dörfern in die Kirche: 15. August - Mariä Himmelfahrt. |