| 17. August 2013: Ujazd Tomaszowski | |
|
Im Jahr 1940 war Karl zum ersten Mal als Soldat in Polen. Vor mir liegt ein kleines Album mit Fotos, das diese "Reise" (darf man es Reise nennen?)dokumentiert. Sie dauerte von Anfang April bis irgendwann im Juni , den Weg zu rekonstruiren war nicht leicht. Karl kam nach Hrubieszów und dann nach Ujazd. Es war nicht ganz einfach herauszufinden, wo das liegt; es gibt verschiedene polnische Orte, die so heißen, u.a. zwei mal in Schlesien Karl war in Ujazd Tomaszowski, einer kleinen Stadt in Zentralpolen, runde 45 km südöstlich von Łodż. Geschichte: Als NS-Deutschland 1935 die Wehrpflicht wieder einführte, war vorgesehen, Männer der Geburtsjahrgänge vor 1913 ("wieße Jahrgänge") nach und nach militärisch zu erfassen und auszubilden. NS-Deutschland plante von Anfang den ganz großen Krieg und brauchte dazu auch ältere Jahrgänge. Karls war 1909 geboren und war 1940 dran. Die Ausbildung fand in Sachsen und offensichtlich in Polen statt. Krieg wurde "im Osten" in diesem Jahr nicht geführt, Polen war besiegt und zwischen der UdSSR aufgeteilt; die Grenze fürs erste im Hitler-Stalinpakt festgelegt. |
|
Den Bahnhof habe ich nicht gefunden. Die Strecke, an der er lag, scheint stillgelegt. Aber vor dem kleinen Schloss in kaum definiertem Stil im wunderhübschen Park habe ich am Ende gestanden. | |
![]() | |
| |
| Es gibt also noch dieses eigentümliche Schlösschen, in frischen Farben renoviert im ruhigen Park. An friedvollen kleinen Wasserflächen, Waldteichen sitzt und träumt sichs gut. Kaum vorstellbar, dass hier einmal feldgrau gekleidete Fremde in ihren Knobelbechern residierten und die Stille des Ortes und mehr ganz erheblich gestört haben. Unter ihnen für kurze Zeit Karl. | |
![]() ![]() ![]() |
Auf dem Stamm am Teich sitzend fragte ich mich: "Wie hat der deutsche Soldat Karl das hier erlebt? Er und seinesgleichen ungebetene "Gäste". Haben sie bedacht oder wenigstens einmal erwogen, dass die im Ort sie gefrürchtet und gehasst haben?" |
![]() ![]() ![]() |
Gleich hinter dem Schloss zwischen den Bäumen ein kleines, wohl kriegerisches Bauwerk. Vielleicht ein Bunker. Aber wogegen hätte der schützen können? Wer hat ihn gebaut? Zugleich, jedenfalls als ich dort war, ein kleines Wunder aus Licht, das durch die kreisrunde Öffnung in der Mitte ins Innere fallend, den engen Raum zum Leuchten brachte wie in der Bruder-Klaus-Kapelle des Architekten Andreas Zumthor in Wachendorf bei Bad Münstereifel. Ich erinnere mich auch an eine enge Schlucht in Arizona. Dort glühte der Fels in vielfachen rottönen im Licht der einfallenden Sonne. |