13. August 2013: Lubiaź/Leubus - Wołow/Wohlau und Przychowa/Preichau
text   text Auf dem Weg nach Wołow/Wohlau die riesige und dennoch verwunschene Klosteranlage von Lubiaź/Leubus. Eine Herausforderung für polnische Restauratoren.

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Von Wołow/Wohlau aus am Nachmittag noch eine kleine Pilgerfahrt nach Przychowa/Preischau an der Oder bei Szinawa/Steinau. Karl war Anfang Juni 1941 von dort aufgebrochen, um am großen Treck Richtung Osten teilzunehmen, der zur Eroberung des riesigen russischen Raums führen sollte. Übrig genlieben ist das Foto mit einer alten Bauernfrau, ein Abschiedsfoto, aufgenommen in Preichau, heute Przychowa.

Ohne das Bild hätte ich nie erfahren, dass es den Ort gibt und Karl dort war. Er trug Uniform. Warum gerade in diesem gottverlasenen kleinen Dorf an der Oder, westlich von Breslau, das militärisch gewiss ohne jede Bedeutung war, außer dass ganz Schlesien dem Nazi-Militärs als Aufmarschgebiet für den Krieg gegen die UdSSR diente? War Karl sich des Größenwahns und der verbrecherischen Intention dessen bewusst, was da vorbereitet wurde?

Wer weiß, was aus der Oma Kapsch (so auf Rückseite des Fotos notiert) geworden ist? Vielleicht hat sie mal eins der alten Gräber auf dem Friedhof gepflegt und ihr Haus war eins der Häuser, vor denen ich stand. Dann, als das ungeheuerliche Unternehmen gescheitert war, an dem Karl beteiligt war, wurden die Preichauer vertrieben und andere Menschen, polnisch sprechende und ebenfalls vertriebene, nahmen die Häuser und die Felder in Besitz. Przychowa liegt ruhig und scheinbar unberührt,weit weg von der Welt. Ein paar Meter weiter fließt immer noch die Oder durch das Land.

Niemand, nichts erzählt, was Karl dort getrieben hat, was er mit der Familie Kapsch zu tun hatte, wie lange er in diesem schlesischen Nest gewesen ist.Nur der letzte Tag steht fest, weil auf einem anderen, ncht reproduzierbaren Foto notiert ist: "01. Juni 1941, Abschied von Preichau". Das Foto von "Oma Kapsch" wirkt ganz privat, familiär: Solche Fotos entstehen, wenn man sich von Freunden, vertrauten Menschen verabscheidet und vielleicht hofft, sie wiederzusehen.

Karl ist am Ende vom grozlig;en Treck nicht zurückg gekommen, der Anfang Juni 1941 begann; er hat Preischau nicht wiedergesehen und hatte keine Gelegenheit. später seinen Söhnen zu erklären, was es mit diesem Dorf und Oma Kapsch auf sicht hatte. Przychowa ist heute, wie gewiss auch damals, als es noch Preichau hieß, ein verlorenes Nest. Verschlafen. Vieles vefällt, weil junge Leute vermutlich das Weite suchen und Perspektiven für das eigene Leben. Am Ende meines kurzen Aufenthalts wunderte ich mich: "Was mache ich hier eigentlich?"
text Das ruhige Fließen der Oder von der Brück bei Ścinava/Steinau. 16 km unterhalb der Brücke liegt Przychowa.

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Wołow selbst ist eine kleine Kreisstadt; früher Sitz eines der kleinen schlesischen Herzogtümer. Auf dem kleinen Platz vor dem Eiscafé und Hostel Magnolia ein kleines Stück Polenkunde: Der Platz heißt Skwer Soliarności. Die Gewerkschaft Soliarność bleibt ein Fixpunkt im historischen Gedächtnis (sie ist immer noch aktiv!). Und skwer ist hier einfach 'der Platz'. Man muss es nur laut lesen: 'Square'

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